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In Foren im Internet, im Beratungsgespräch beim Fachhändler oder beim Discounter, in der Fachpresse, unter Freunden ... es wird viel über HiFi geredet, gefachsimpelt und spekuliert. Da die Motive der Informationsquellen unterschiedlicher Natur sind, sollten Sie unserer Erfahrung nach nur einer einzigen Institution Gehör schenken: nämlich Ihren beiden Ohren.

An dieser Stelle möchte ich - nach bestem Wissen und Gewissen - häufig gestellte Fragen beantworten und interessante Themen bearbeiten. Bitte fragen Sie!




Im Internet schreibt ein Dienstleister, Gummisicken würden einzelne Frequenzen überhöhen und den Lautsprecher dröhnen lassen. Man sollte bei der Reparatur von alten Lautsprechern auf Schaumstoffsicken zurückgreifen. Sollte man wirklich, obwohl sie nicht lange halten und das Material antiquiert ist?
Mein oberstes Ziel ist eine zeitgemäße Restauration von Lautsprechern. Im Idealfall beinhaltet die Reparatur eine Klangverbesserung. Wenn Schaumstoff besser wäre als moderne Materialien, würde ich ihn verwenden. Warum nicht? Hätten moderne Materialien allgemein genommen gravierende Nachteile (wie z.B. eine Überhöhung einzelner Frequenzen), sollte man sich fragen, warum so gut wie alle renommierten Lautsprecherentwickler auf moderne Materialien setzen. Ein allgemeiner Vergleich einer Schaumstoff- mit einer beliebigen Gummisicke ist unsinnig. Es kommt nämlich auf die Abstimmung an - und da hat eine Gummimischung sicht-, fühl- und wiegbare Vorteile: hier kann das Gewicht und die Masse der Sicke von "hauchdünn/nachgiebig" bis "extrastark/extraschwer" bestimmt werden (in großem Gegensatz zu Schaumstoff, wo nur eine Gewichtung möglich ist). Eine moderne Sicke kann also so konstruiert wrden, dass sie die mechanischen Eigenschaften einer Schaumstoffsicke spiegelt, ohne deren negativen Eigenschaften zu besitzen, wie die (durch Benutzung bedingte) wechselhafte Steifigkeit, die hohen Verzerrungen, das niedrige Bedämpfungsvermögen und die kurze Lebensdauer. So ist es möglich, die Sicke exakt auf den Antrieb der Membran anzupassen und den Lautsprecher zu verbessern. Ihm also mehr Wirkungsgrad und Dynamik zu entlocken. Die Resonanzfrequenz eines Tieftöners kann unter günstigen Bedingungen in Richtung niedriger Frequenzen verschoben werden. Das beschert dem Lautsprecher im Fall des BOSE 901 eine halbe Oktave mehr Tiefgang.

Meine Restaurationsergebnisse bestätigen, dass moderne Materialien meinem Anspruch an eine qualitativ bestmögliche Reparatur besser gerecht werden: sie haben nahezu ideale akustische Eigenschaften. Schließlich haben das auch alle anderen Hersteller erkannt. Sie machen sich die hohe Flexibilität moderner Materialen zunutze, um keine Antriebsenergien zu verschenken. Nicht umsonst sind Lautsprecher heute im allgemeinen kleiner als vor 30 Jahren. Und bieten dabei den Sound großer Lautsprecher, wie man sie eben von früher kennt.

Der eigentliche Grund, warum Schaumstoffsicken von anderen Reparaturwerkstätten propagiert werden, liegt wohl eher in der einfachen Verfügbarkeit begründet. Wer heute zur Reparatur von Lautsprechern Schaumsoffsicken einsetzt, hat entweder kein anderes Material zur Verfügung, oder er setzt sich einfach nicht gebührend für die Sache ein. Schaumstoffsicken sind billig, und die Verarbeitung ist denkbar einfach. Sie wurden bereits vor Jahrzehnten für die gängigsten Lautsprecher kopiert und angeboten. Daher kann man auch nicht sagen, wie lange das Material schon gelagert ist. Sicken aus neuen Materialien müssen in kleinen Stückzahlen angefertigt werden. Dazu sind computergestützte Simulationen, eine akribische Planung, Formen und Werkzeuge nötig. Ein Aufwand, den nur wenige auf sich nehmen wollen. Aber der Weg des geringsten Wiederstandes ist selten der beste - und wohl kaum für ein so hochwertiges Produkt wie HiFi-Lautsprecher, an denen man möglichst viel Freude haben möchte.


Meine BOSE 901 Serie sechs klingen nicht mehr so wie früher. Sie hatten immer ordentlich Bass und der Klang war sehr lebendig. Ich glaube nicht, dass ich es mir nur einbilde. Oder kann das auch am Verstärker liegen?
Wenn Ihre 901/VI schon etwa 20 Jahre alt sind, dann liegt die Vermutung nahe, dass die Sicken verhärtet sind und nicht mehr weich abrollen können. Das macht sich in fehlender Dynamik und mangelhafter Basswiedergabe bemerkbar. Hier hilft entweder der Tausch der Lautsprecher oder die Erneuerung der Sicken. Verstärker in hohem Alter fangen selten an zu schwächeln, sondern neigen eher zu Totalausfällen durch defekte Kondensatoren. Sicherheitshalber sollten zusammen mit den Lautsprechern auch der Verstärker und natürlich Ihr BOSE 901/VI Active Equalizer überprüft werden. Erst dann läßt sich das Problem genau einkreisen.


Wie kann ich ein Paar 901 sinnvoll in mein Heimkino integrieren?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten - nicht zuletzt die KLANG-STARK punkt:raum Schaltung. AV-Verstärker der Oberklasse haben gelegentlich Pre-Out und Main-In Cinchbuchsen für die beiden Hauptkanäle. Hier kann der Equalizer für die 901 bequem eingeschleift werden. Mittelklassegeräte verfügen in der Regel über Pre-Out Buchsen. Hier wird der 901 Equalizer angeschlossen. Am Ausgang des Equalizers schließt man eine zusätzliche Endstufe oder einen Stereoverstärker an, an dem die 901 betrieben werden. Über den AV-Receiver werden alle "nicht-901-Lautsprecher" gespeist - also die Effektkanäle und der Centerkanal. Bei einer Neuanschaffung kann man auf einen preiswerten Marken-Digitalreceiver zugreifen, und das "gesparte Geld" für die 901-speisende Endstufe anlegen. Oder besser: KLANG-STARK BOSE 901 Thulinn mit punkt:raum Schaltung und einem Receiver mit integriertem Equalizer: die All-In-One Lösung. Hier können Sie auf einen externen Equalizer verzichten und alle Lautsprecher - inklusive KLANG-STARK BOSE 901 Thulinn direkt an den AV-Receiver anschließen! AV-Receiver mit ausreichend leistungsfähigen Equalizern erhalten Sie bei KLANG-STARK.

Sind digitale Mehrkanal Heimkino AV-Receiver als Stereo HiFi-Verstärker geeignet?
Ab etwa Anfang der neunziger Jahre wurde das Segment HiFi-Stereo von vielen Herstellern vernachlässigt. Alle schienen auf den Trend von Surroundklang eingeschworen. Seit geraumer Zeit wird der Stereo HiFi-Ton von vielen Musikliebhabern wiederentdeckt. Hersteller wie Yamaha, Pioneer, Sony, Denon, Onkyo, NAD, etc. brachten in den vergangenen Jahren Geräte auf den Markt, die von modernster Schaltungstechnik profitieren. Es gibt auch Marken wie z.B. Marantz, die entgegen dem Trend den klassischen HiFi Markt selbst in Zeiten größter Surround-Euphorie immer gepflegt haben. Marantz bietet eine umfangreiche Palette hochwertiger HiFi-Stereo Komponenten mit einem ausgezeichnetem Preis- Leistungsverhältnis an. Einige dieser Geräte wurden von der Fachpresse trotz ihrer HiFi-Einstiegspreise schon vielfach als High-End Geräte betitelt. Natürlich wird auch das High-End Segment von Marantz ausgiebig bedient. Die 15-er Serie, die 11-er Serie, sowie die Vorverstärker und Endstufen der Premiumklasse sind schon heute Legenden. Schaltungen für Einstiegsgeräte der "Range" Serie basieren auf den Marantz Entwicklungen im High-End Sektor (Gegenstromkopplung).

Es wäre schlichtweg falsch, zu sagen, AV-Receiver taugten nur für das Heimkino. Hörtests im KLANG-STARK HiFi-Laden und die Fachpresse beweisen, dass ein guter AV-Receiver im HiFi-Stereo-Betrieb einem HiFi-Stereo Verstärker derselben Preisklasse klanglich ebenbürtig sein kann. Die Lösungsformel ist auf einen ganz einfachen Nenner zu bringen: an billige AV-Receiver darf man keine hohen Erwartungen stellen. Das läßt sich im Heimkino noch verschmerzen: die Musik im Heimkino wird neben Bild und Handlung, also sekundär wahrgenommen. Muß sich das Gehirn auf Bild und Ton (sowie auf die Handlung des Filmes) gleichzeitig konzentrieren, so fallen Unzulänglichkeiten der Tonanlage in diesem Moment weniger ins Gewicht.

Anders hingegen beim reinen Musikgenuss - hier zählt der HiFi-Ton. Und dieser läßt sich dann schnell klassifizieren. Hochwertige AV-Receiver, bei denen sich die digitalen Verstärkerstufen möglicherweise sogar abschalten lassen, können durchaus mit reinen Stereoverstärkern konkurrieren.

Bei sehr preiswerten AV-Receivern können keine teuren Bauteile eingesetzt werden. Der Audioklang wird von billigen Digitalwandlern über magersüchtige Endtufen verstärkt.

Bei integrierten Verstärken oder Vor- und Endstufenkombinationen für den 2-Kanal HiFi-Betrieb legen die Konstrukteure das Augenmerk auf den bestmöglichen Musikgenuss. Hier findet man die gewohnten Bedienelemente wie z.B. eine Loudnesstaste und Balance-, Höhen- und Bassregler. Auch die wichtigen Phono Eingänge sind eine Selbstverständlichkeit. Obwohl das bei dem mittlerweile kaum noch überschaubaren Markt von Phono Vorverstärkern kein wirklicher Kritikpunkt ist.

Mit einer guten Heimkinoanlage kann man also ganz hervorragend HiFi-Stereo genießen: die digitalen Prozessoren der Heimkinoverstärker zaubern zudem aus dem 2-Kanal Signal wunderbare Klangfelder. Insbesondere die Formate Dolby Pro Logic IIx, CSII sowie viele Tonformate auf DVD wie DTS und auch Dolby Digital sind für den Musikgenuss hervorragend geeignet. Die Surround-Zeiten, als die Hersteller mit unsinnigen, verhallten Tonprogrammen spielten, sind endgültig überstanden. Gute AV-Receiver sind als HiFi-Schaltzentrale durchaus ernstzunehmen. Wer partout nichts mit Mehrkanalton zu tun haben will, ist mit einem klassischen HiFi Verstärker sehr gut beraten.


Was ist der genaue Unterschied zwischen einem Stereo Verstärker und einem Receiver? Dass die BOSE 901 bis 400 Watt belastbar sind stimmt doch? Genügt den Lautsprechern weniger Leistung? Ich habe mich ein wenig umgesehen und Verstärker mit z.B. 2 x 150 W gesehen. Ist dies zuviel oder zu wenig?
Es gibt sogenannte integrierte Stereo-Verstärker und Stereo-Receiver. Ein Receiver besitzt zusätzlich ein Radioempfangsteil. Ein integrierter Verstärker besteht im wesentlichen zunächst aus einer Verstärkervorstufe, in der die Eingangssignale z.B. von Schallplatte, CD, Radio, Bandgeräten etc. verarbeitet werden und die Lautstärke, Balance etc. eingestellt werden, sowie eine Tonkorrektur mittels Höhen- und Bassreglern vorgenommen werden kann.
Desweiteren aus einer sogenannten Leistungsendstufe: hier wird das Gleichstrom-Signal aus der Vorstufe lautsprechergerecht verstärkt in Wechselstrom gewandelt. Diese beiden Teile - also Vor- und Endstufe - kann man auch einzeln bekommen. Im Consumerberreich verschwinden einzelne Komponenten jedoch immer mehr und man findet sie nur noch auf dem höherpreisigen und dem High-End Markt.

Die 901 sind sogar belastbarer als 400 Watt! Es gibt praktisch keine Begrenzung, da die eingebauten Breitbandsysteme in der bestehenden Schaltung unverwüstlich sind. Redakteure einer Fachzeitschrift haben im Experiment die 901 an eine Steckdose angeschlossen - entsprechend einer rechnerischen Belastung von 4000 Watt - was der Lautsprecher schadlos überstanden hat.

Viel wichtiger als die maximale Belastbarkeit ist der Wirkungsgrad des gesamten Lautsprechers, sowie die laut Herstellerangabe minimale empfohlene Verstärkerleistung. Diese liegt bei der BOSE 901 ab Serie III bei 10 Watt. Wenn ich persönlich mit einer Lautstärke Musik höre, die bereits über der Zimmerlautstärke liegt, also so laut, dass man sich bei einer Unterhaltung zur Verständigung bereits sehr anstrengen muss, liegt die gemessene Leistung, die den BOSE 901 zugeführt wird, zwischen 1 und 2 Watt Sinusleistung an 8 Ohm Impedanz. Eine Verdoppelung dieser wahrgenommenen Lautstärke erfordert eine Verstärkerleistung von 8 Watt. Eine weitere Verdoppelung erfordert 32 Watt. Eine weitere 128 Watt. Eine Verdoppelung der Lautstärke bei dieser mehr als üppigen Verstärkerleistung von 128 Watt würde einen Verstärker mit über 500 Watt erfordern.

Sie können erkennen, dass bereits ein "kleiner" Verstärker ausreicht, und dass hohe Leistungsangaben nüchtern betrachtet werden sollten. Es ist wahr, dass Leistungsreserven dem guten KLANG zwar zuträglich sind, dass diese bei moderater Lautstärke aber auch schon von kleinen Verstärkern der 40-50 Watt Klasse bereitgestellt werden können, insofern sie über einen guten Aufbau / eine gute Schaltungstechnik und über eine großzügig dimensionierte Stromversorgung verfügen.

Mit den Leistungsangaben von Verstärkern wird in der Werbung viel Unfug getrieben: So kann ein Verstärker, der 60 Watt Sinusleistung an 8 Ohm abgibt, schon einmal mit "250 Watt" (nämlich Musikleistung!) beworben werden. Oder ein Verstärker der mit 100 Watt Sinusleistung an 4 Ohm beworben wird, gibt bei einer verstärkerfreundlichen Lautsprecherlast von 8 Ohm "nur" 60 Watt ab.

Ausschlaggebend für die Bewertung eines Verstärkers über die Leistungsabgabe, insbesondere zum Betrieb an 901 Lautsprechern ist eigentlich nur der Wert der "Sinusleistung an 8 Ohm" Impedanz (oder auch die RMS Leistung, was aus dem englischen kommt und "root mean square" heißt). Dazu kommt noch, dass bestimmte Lautsprecher mit bestimmten Verstärkern besser harmonieren als mit anderen. Man sollte also auch beim Verstärkerkauf auf einen Hörtest in den eigenen vier Wänden und mit den vorhandenen Lautsprechern bestehen.

Warum gibt BOSE nie Leistungsangaben (RMS / SINUS) an?
In Bedienungsanleitungen und Katalogen von BOSE Lautsprechern habe ich z.B. die Aussage "Geeignet für Verstärker mit einer Nennleistung von 10 bis 100 Watt" gefunden. Nennleistung ist hier die Sinusleistung, also RMS - üblicherweise an 8 Ohm. "Von 10 Watt bis ..." bedeutet, dass es sich um einen Lautsprecher mit gutem Wirkungsgrad handelt, der schon mit wenig Verstärkerleistung ordentlich Krach macht.
Die Begrenzung auf 100 Watt bedeutet, dass wenn dauerhaft ein höherer entsprechender Strom fließt, die Lautsprecherspulen die entstehende Wärme nicht genügend abführen können und möglicherweise durchbrennen. Trotzdem kann der Lautsprecher kurzzeitig viel mehr Leistung vertragen. Die 100 Watt sind also als Empfehlung zu verstehen. Sobald die hörbaren Verzerrungen zunehmen sollte man den Pegel reduzieren. Dann ist entweder der Lautsprecher oder der Verstärker am Ende seiner Leistungsreserven angekommen. Letzteres kann für den Lautsprecher gefährlich werden. In den Anfängen der HiFi-Technik galt eine Faustregel: die Lautsprecher sollten doppelt so hoch belastbar sein, wie der Verstärker Leistung hat. Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden. Nur ist es meiner Meinung nach besser, einen starken Verstärker (der möglicherweise sogar mehr Leistung liefern kann, als die Lautsprecher vertragen können) im unteren Leistungsband zu betreiben, als einen schwachen Verstärker permanent an seiner Leistungsgrenze.

Ist es möglich, die Bose 901 nicht gegen die Wand reflektieren zu lassen - also verkehrt aufzustellen? Ist der Klang dann wesentlich schlechter oder ist nur die Räumlichkeit verschlechtert? Welche Verstärkerleistung ist minimal erforderlich?
Der grundlegende Gedanke bei der Konstruktion der 901 war, einen bestimmten Anteil von reflektiertem zu direktem Schall zu realisieren, nämlich 89% zu 11 %, genausso wie im Konzertsaal eben. Wenn Sie den Lautsprecher umdrehen, entfällt der Effekt und Sie nutzen ihn zur reinen Flächen-Beschallung. Der 901 hat einen guten Wirkungsgrad und wird mit Verstärkern ab 10 Watt Nennleistung empfohlen.

Ich bin per Zufall auf ihre Seite gestoßen und bin einigermaßen überrascht, dass Sie sich ausschließlich der 901 widmen. Also ich muß zugeben: die 901 habe ich noch nie gehört. Aber ich besaß mal die Bose Acoustimass 5 II und muß sagen, es waren die schlechtesten Lautsprecher, die ich jemals besaß. Imzwischen habe ich Qualitätslautsprecher von ELAC: die DOLCE VITA. Aber ich bin wirklich neugierig. Und das meine ich ernst ohne Ironie: was ist das Besondere an der 901? Die verwendete Technik, die Chassis sind doch nach heutigen Maßstäben unterste Klasse. Ist es nicht so, dass bei der 901 mittels Equalizer, also extremer Anhebung oder Absenkung von Frequenzbereichen, der unausgeglichene Frequenzgang der Papierchassis "glattgebügelt" werden soll? Was ist das Erfolgsrezept der 901? Alles, worüber High End Lautsprecher verfügen, fehlt bei Bose: Frequenzweiche, optimierte Chassis, schwingungsfreies Gehäuse, ... Ist es nicht so, dass ein guter Lautsprecher so konstruiert ist, dass er ohne technische Tricks wie Equalizer das gesamte Frequenzspektrum bei allen Lautstärken wie mit dem Lineal gezogen wiedergeben können sollte? Rein physikalisch können die Papierchassis der Boseboxen nicht mit modernen Kalottenlautsprechern oder dem JET konkurrieren: Partialschwingungen, Belastbarkeit, ... ELACs 18er Alu-Sandwich-Tieftöner können 3 cm linearen Hub vollbringen. Und die kleinen Chassis der 901? Impulstreue? Wie gesagt, diese Mail soll keine Beleidigung sein, denn Sie kennen vermutlich die Vorurteile über Bose, wie ich Sie ihnen geschildert habe. Aber nennen Sie mir einen Grund, wieso ich die Bose 901 kaufen sollte anstatt eines Referenzlautsprechers wie die ELAC "Spirit of Music"?
Die Treiber der 901 sind solide Konstruktionen, die Ihren Zweck mehr als erfüllen, und für die ich (bis jetzt) auch unter modernen Neukonstruktionen keinen besseren Ersatz finden konnte. Papiermembranen finden auch heute für hochwertige Treiber Verwendung. Sie haben Vor- und Nachteile genau wie Membranen aus anderen Materialien sie auch haben. Es kommt eben auf die Anwendung an: die BOSE 901 Lautsprecher, deren Urmodell fast 40 Jahre alt ist, versetzen eingefleischte High-Ender - Besitzer von unsäglich kostspieligen Koaxial-/Horn-/etc. Konstrukten in fassungsloses Erstaunen. Dieses Phänomen erlebe ich jede Woche mindestens einmal im eigenen Vorführraum. Der 901 ist so einfach und gleichzeitig so komplex wie ein klassisches musikalisches Instrument: ausgereift und nur noch in Nuancen zu verbessern.
Die Hauptmerkmale der 901 sind eine gleichmäßige Energieverteilung durch die Verwendung von akustisch gekoppelten Breitbandsystemen mit hohem Wirkungsgrad und ein genau definiertes Verhältnis von direkter zu indirekter Abstrahlung. Der Versuch, ein Live-Konzert mit zwei direkt abstrahlenden Lautsprechern zu reproduzieren, gleicht dem Versuch, einen dunklen Raum mit zwei Scheinwerfern erhellen zu wollen: zwischen den Lampen bleibt es dunkel - entsprechend dem "Loch" zwischen den Lautsprechern. Den BOSE 901 Lautsprecher kann man nicht exakt orten (Quelle: Selbstversuch mit verbundenen Augen).
BOSE fand heraus, dass mehrere kleine, phasengleich arbeitende Lautsprecher den Effekt einer ideal pulsierenden Membrane haben - also praktisch umsetzbar mit viel niedrigeren Verzerrungen und Resonanzen wie sie Mehrwegesysteme produzieren, bei denen die Energie über eine Frequenzweiche verteilt wird. An deren Stelle tritt (natürlicherweise!) die Anpassung des Tonsignals mittels eines Equalizers: die Anpassung auf dem Weg vor der Endstufe ist der passiven an der Frequenzweiche (nach der Verstärkung) vorzuziehen, da anstelle der verstärkten hohen Leistung, nur niedrige Energien kontrolliert werden müssen. Dadurch entfallen von vorneherein Verluste und Verzerrungen durch Eisenkerninduktionen, Spulen und Kondensatoren. Sicher - auf manche HiFi-Liebhaber wirkt der KLANG des 901 antiquiert. Sie bevorzugen eine direkte, klare Ansprache ähnlich der beim Hören mit Kopfhörern. Nur - meinen diese wirklich Hifi?
Man könnte abschließend sagen: Warum High-Tech, wenn die Lösung schon da ist? Ich rate Ihnen jedenfalls, sich diesen Lautsprecher einmal anzuhören. Der BOSE 901 verzückt jedenfalls selbst ungeübte Ohren auf Anhieb.

Warum war der BOSE 901 Lautsprecher in der Fachpresse immer nur im unteren Mittelfeld der Bestenlisten angesiedelt?
Ein Paar BOSE 901 Serie IV mit Equalizer kostete im August 1982 nach Hersteller-Preisliste genau 3.298,- DM. Die "Oberklassen" der Fachzeitschriften begannen bei etwa 4.000,- DM pro Paar und schaukelten sich bis 140.000,- DM pro Paar Lautsprecher hoch. Somit war dem Relationsgefüge genüge getan. In Vergleichstests mit anderen Lautsprechern fiel der 901 in der Presse meist gnadenlos durch - doch das lag zum einen an der Art und Weise, wie die Messwerte ermittelt wurden, zum anderen am Gottvertrauen der Tester in ihre Messmethoden. Der 901 lässt sich nicht messtechnisch beurteilen wie ein direktabstrahlender Lautsprecher. In Einzeltests, wo man dem BOSE 901 eine realistische Chance einräumte, indem sich die Redakteure mehr Zeit zum Musikhören nahmen, wurde er immer richtig gut bewertet.

Auch heute genießt er nicht zuletzt auf Grund der langen Bauzeit einen Sonderstatus und wird allgemein respektvoll als Klassiker bezeichnet.


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